Ayhan Aktaş

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Alkmene, Adamsparmäne, Ingol, Stina Lohmann, Knebusch, Reitländer, Krügers Dickstiel,

Pissen, Osterkamps Renette, Schöner von Herrnhut… Kennen Sie diese Namen?

Wenn Sie Äpfel lieben, besonders, wenn Sie sich für ältere Sorten interessieren, werden Ihnen diese Namen bekannt sein.

Doch von den vielen Apfelsorten, auf die sich der Baumschuler Ayhan Aktaş spezialisiert hat, wird es Dutzende geben, deren Sorte und Geschmack Ihnen unbekannt sind.

Ayhan Aktaş ist als Baumschuler ein Fachmann für alte deutsche Apfelsorten. Wir machen uns die Mühe und schreiben die Äpfel auf, auf die er sich spezialisiert hat. Eins, zwei, drei, vier… zwanzig, dreißig, vierzig… Beim Aufschreiben werde ich müde, er auch. Als wir beschließen mit der Aufzählung aufzuhören, hat er mehr als 100 Sorten genannt. Er sagt, dass er die Äpfel mit geschlossenen Augen erkennen könne und wir probieren auch das aus. Unser Schiedsrichter ist Aktaş’s Meister und Chef Gerolt Brüntjen. Ayhan Aktaş fällt es nicht schwer, die ersten fünf Äpfel mit geschlossenen Augen zu erkennen. Die Größe der Äpfel, ihre Oberfläche und ihr Duft helfen. Er lacht und sagt, dass er schon überlegt habe, sich damit an ‚Wetten, dass’ zu wenden.

Er möchte, dass wir sein Alter und seine Herkunft raten: Sein Alter zu schätzen ist nicht so schwer. Und seine das Gesicht einnehmende Nase und sein Türkisch verraten zumindest die Region: Schwarzmeer. Die genauen Angaben bekommen wir von ihm: 1971, Trabzon.

In Deutschland, dem Land der Äpfel, einem Türken zu begegnen, der Spezialist für alte deutsche Apfelsorten ist, ist ebenso erstaunlich wie aufregend und erfreulich. Das norddeutsche Ammerland ist bekannt für seine Baumschulen. Auf dem Gelände der Brüntjen Baumschule in Edewecht breiten sich tausende von Stecklinge und größere Gehölze vor unseren Augen aus: Apfel, Kirsche, Birne, Pfirsich, Pflaume, Aprikose, Beerenobstsorten, Wallnuss, Haselnuss und natürlich andere Pflanzen und Blumen … etwa 500 verschiedene Bäume, 100 Rosenarten und 300 andere Blumen

Über jede Pflanze, auf die Sie zeigen, kann man von Ayhan Aktaş etwas erfahren. Bewusst zeige ich auf die Pflanzen, von denen nur einige wenige an der Seite wachsen. Aktaş hat kein Problem damit, etwas über sie zu erzählen. Der Apfelspezialist Ayhan Aktaş hat uns überzeugt und wir hören auf ihn zu prüfen.

„Ich kam nicht aus Armut, nicht wegen des Geldes nach Deutschland“, erzählt Ayhan Aktaş:

„Ich kam 1991 zu meinem älteren Bruder, der damals in Oldenburg studierte. Ich studierte ein Jahr Mathematik und zwei Jahre Betriebswirtschaft. An den Wochenenden arbeitete ich hier in der Baumschule. Als ich damals sah, dass türkische Freunde, die ihren Abschluss gemacht hatten, keine Arbeit fanden, bekam ich offen gesagt Angst. In meinem türkischen Umfeld gab es eine hohe Arbeitslosigkeit. Als der Besitzer der Baumschule mir sagte, dass er mit meiner Arbeit zufrieden sei und mich als Vollzeitkraft einstellen wolle, habe ich kurz überlegt und zugesagt. In dieser Zeit heiratete ich meine Frau. Ihr Vater ist Grieche und ihre Mutter Türkin. Ich habe zwei Kinder, 4 und 9 Jahre alt.“

Er erzählt, dass seine Familie in seiner Geburtsstadt Haselnussfelder habe und ihm deswegen die Arbeit in der Baumschule nicht schwergefallen sei. Als zwischen ihm und dem Besitzer der Baumschule, Gerolt Brüntjen, die Chemie gestimmt habe, habe er nach kurzer Zeit die Leitung der Baumschule übernommen. „Gerolt ist wie mein Vater, er überlässt mir alles und geht. Wenn ich zu spät zur Arbeit komme, dann weiß er, warum.“

Wie wird darauf reagiert, dass du als Türke ein Fachmann für Äpfel bist?

„Zu Beginn war man skeptisch. Die Menschen aus der Region haben sich mit der Zeit daran gewöhnt. Doch es gibt immer wieder skeptische Reaktionen. Einmal kam ein deutscher Kunde, der sagte, dass er Apfelbäume kaufen wolle. Als der Besitzer der Baumschule ihn zu mir schickte, hat der Kunde, überzeugt davon, dass ein Türke nichts von Äpfeln verstehen könne, dem Besitzer widersprochen und von ihm verlangt, dass er selber mit ihm die Bäume aussucht. Als der Chef ihm sagte, dass ich nach ihm der Beste sei, war der Kunde überzeugt und kam zu mir. Ich habe, als wäre nichts vorgefallen, einige der besten Bäumen ausgesucht und ihn ausführlich darüber informiert. Anscheinend beeindruckt von den Informationen und meinem höflichen Umgang, hat er beim Bezahlen einen hohen Betrag als Trinkgeld für mich hinterlegt.“

Aktaş erzählt, dass bei ihnen alle Baumsorten der Ammerlandregion zu finden seien und dass besonders Kunden, die alte Apfelsorten suchten, zu ihnen kämen. Aktaş ist einer der wenigen Meister, die von der Landwirtschaftskammer Oldenburg bei Anfragen für Baumpflege genannt werden.

Welche neuen Impulse hast du als Türke sonst noch in die Baumschule einfließen lassen?

„Die Wintermonate verbringe ich mit der Veredelung der Obstbäume. Ich habe einige der Apfelsorten, die ich aus der Türkei mitgebracht habe, hier veredelt und verkauft. Es gibt sogar Deutsche, die nach diesen Sorten fragen. Ich veredele auch die Aprikosen-, Pflaumen- und Pfirsichsorten, die ich aus der Türkei mitgebracht habe. Wir haben hunderte von diesen verkauft. Solche Veredelungen auszuprobieren und die schönen Früchte dieser Bäume zu ernten, macht mir Spaß, es führt dazu, dass ich meine Arbeit noch mehr liebe.“

Sein Kindheitstraum war es, Fußballer zu werden. Er konnte nicht professioneller Fußballer werden, spielt aber heute immer, wenn er Zeit findet. Aktaş erzählt, dass es ihn glücklich mache, in der Natur zu leben und er mit seiner Arbeit glücklich sei. Das Schlimmste, was ihm an einem Sonntag passieren könne, sei von der Niederlage seines Vereins Trabzonspor zu hören. „Dann habe ich am Montag schlechte Laune, und weil mein Chef das weiß, lässt er mich dann immer in Ruhe.“

Ayhan Aktaş, Baumschuler, Fachmann für Äpfel, Ammerland-Edewecht