Bertan Canbeldek

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Glück ist kein sozialer Begriff. Doch eine wichtige Rolle müsste dabei spielen, dass der Mensch einer Arbeit nachgeht, die er liebt. Und wenn jemand schon mit acht Jahren merkt, welche Arbeit es ist, die ihn glücklich macht, dieses ausprobiert, erfolgreich ist und diesen Weg immer weitergegangen ist?

Bertan Canbeldek wurde 1992 in Berlin Kreuzberg als Sohn einer Migrantenfamilie geboren. Er war gerade mal acht Jahre alt, als er sagte, „Okay,  genau das ist meine Arbeit.“ In Berlin kam er auf die Bühne, war erfolgreich und wurde mit begeistertem Applaus von den Zuschauern belohnt. „Da hatte ich eine ganz andere Seite des Glücks erlebt und hatte Gefallen daran gefunden.“

Dieses Gefühl, das Bertan Canbeldek erfahren hatte, gab seinem späteren Leben die Richtung.

Das 8-jährige Kind lernte in dieser Zeit den Zirkus über den Kinder- und Jugendzirkus CABUWAZI (Chaotisch-Bunter-Wander-Zirkus) kennen, der in einigen Stadtteilen Berlins aktiv ist. Im gleichen Jahr fand er sich auf der Bühne wieder.

„CABUWAZI war nach unserem Zuhause und meiner Schule der dritte Ort, an dem ich mich aufhielt und den ich liebte. Ich rannte förmlich hin, hörte mir alles voller Interesse an, probierte aus, und wenn die Zeit vorüber war, ging ich nur ungern fort. Doch was ich dort gelernt hatte, probierte ich zu Hause weiter aus und zeigte es meinen Geschwistern. Meine ältere Schwester Betül war auch bei diesem Zirkus.“

Die Eltern, die die Begeisterung ihres Sohnes bemerkten, unterstützten ihn. „Leider waren die Eltern vieler Freunde nicht so, manche begabte Freunde konnten nicht weiter beim CABUWAZI mitmachen, weil die Eltern es ihnen nicht erlaubten.“

Als Bertan mit 14 Jahren beschloss eine Ausbildung als Artist zu machen, hatte er die Unterstützung seiner ganzen Familie. Am meisten die seiner Mutter… „Der Zirkus war meine ganze Welt. In der Zwischenzeit hatte ich gelernt, wie man besser Kontakt zum Publikum aufnimmt. Ich wollte mein Geld damit verdienen.“

Nach einer Vorbereitungszeit von zwei Monaten war er einer von 13 Bewerbern, die an der ‚Staatlichen Artistenschule Berlin’ aufgenommen wurden und schloss seine Ausbildung 2010 mit einer guten Note ab.

Danach bewarb Bertan sich bei einer der bedeutendsten Adressen, dem GOP (Georgspalast) in Essen, und wurde sofort angenommen. Heute hat er bei acht Aufführungen pro Woche seinen Auftritt und zusätzlich jeden Abend eine 6-minütige Einlage. Wir treffen uns mit Bertan Canbeldek in dem Gebäude des GOP. Heute Abend gibt es keine Vorstellung. Die Bühne wird für den morgigen Abend vorbereitet.

Bertan ist das dritte Kind von fünf Geschwistern. Seine Eltern betreiben in Berlin einen Kiosk. Bertan Canbeldek ist am Anfang seiner Karriere. Er kann sich gar nicht vorstellen, etwas anderes zu machen: „Du erlebst jeden Tag neue Sachen, du kommst viel rum, lernst neue Leute kennen. Jeder Tag ist ein neuer Tag. Je mehr ich lerne, je mehr Erfahrung ich bekomme, desto mehr versuche ich alles in meine Shows einzubauen und neue Sachen auszuprobieren.“

„Der Zirkus ist eine anstrengende Welt. Was möchtest du noch machen, wie lange möchtest du das weitermachen?“, frage ich.

„Ich möchte das immer machen. Solange meine Arbeit mich glücklich macht. Natürlich, solange die Menschen mich wollen. Ich kann etwas zwischen Deutschland und der Türkei versuchen. Ich kann etwas versuchen, indem ich die türkische Kultur in den Zirkus trage, z.B. könnte eine Mischung aus Tanz und Zirkus interessant sein. Doch erst möchte ich diese Kultur noch besser kennen lernen und öfter in die Türkei fahren.“

Und Angst, keine Arbeit zu finden?.. „Habe ich auf keinen Fall“, sagt er: „Die Kompanien wollen mich haben. Ich bin gefragt. Ich habe Arbeit. Ich bin mir sicher, dass ich Arbeit finde. Und wenn ich etwas Erfahrung gesammelt habe, möchte ich bei weltweit namhaften Zirkussen auftreten. In sehr jungen Jahren habe ich sehr viel Geld verdient. Ich habe fürstlich gelebt. Meine Mutter sagte, dass es nicht verkehrt sei, etwas Geld zur Seite zu legen und jetzt ist meine Mutter meine Finanzberaterin.“

Und andere Ängste?.. „Gibt es, aber nicht im eigentlichen Sinn Angst, vielmehr Sehnsucht“, sagt er. „Ich entferne mich von meiner Familie, den Freunden von CABUWAZI, meinem Freundeskreis, meiner Freundin.“

Das Glück von Bertan, dessen Großvater 1961 und dessen Eltern in den 1970er-Jahren aus der Türkei nach Berlin kamen, steht in seinen Augen, als er all dieses erzählt. Denn Bertan macht die Arbeit, die er liebt…

Bertan Canbeldek, Artist, Essen