Hüseyin İflazoğlu

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Wenn ein Pferd seinen Pfleger mehr mag als seinen Besitzer, kann das manchmal zu Schwierigkeiten führen. Wirklich, auf dem Pferdehof in der Nähe von Bochum, auf dem Hüseyin İflazoğlu arbeitet, kommen die Pferde zuerst auf ihn zu, auch wenn sich ihre Besitzer in der Nähe aufhalten. „Deswegen gibt es manchmal Probleme, besonders mit den Besitzern, die mich noch nicht so gut kennen. Wenn sie dann aber meine Zuneigung zu den Tieren sehen, fangen sie an, das als normal anzusehen“, sagt İflazoğlu.

Geboren 1952 in Antakya ist Hüseyin İflazoğlu ein Tierliebhaber durch und durch. Er zeigt uns den Igel, den er auf der Straße gefunden und mit zu sich nach Hause genommen hat. Wenn er nach Hause kommt, rennt der Hund, der eigentlich seinem Sohn gehört, zuerst auf ihn zu. „Wenn er mich einen Tag lang nicht sieht, fängt er an zu weinen.“ Daneben hat er zu Hause Bienenstöcke, von denen er jährlich etwa zweihundert Kilo Honig erntet.

Er kennt sogar die Geburtstage der Pferde. Die Liebe zu den Tieren hat er in die Wiege gelegt bekommen, er hat sie von seiner Familie, seinem Großvater. Sein Wissen über Pferde war zunächst begrenzt auf die Beobachtungen eines Kindes, aber wertvoll: „Wir hatten einen Bekannten, er verstand sich sehr gut im Umgang mit Tieren. Es hat mich immer fasziniert ihn zu beobachten. Pferde, die zu viel gefressen hatten, mussten mehr Auslauf haben. Wenn die Hufe entzündet waren, wurde eine Bandage mit Maulbeeren oder mit Weinblättern gemacht. So war die Schwellung einen Tag später wieder abgeheilt. Wenn das Ohr des Tieres heiß ist, so bedeutet das, dass das Pferd krank ist, vielleicht etwas mit dem Magen hat, daher erhält es Futter, das dem Magen gut bekommt.“

İflazoğlu vergleicht Pferde mit Hunden: „Pferde sind ebensolche Freunde des Menschen wie Hunde. Niemals würden sie einem Menschen schaden. Sie zeigen ihre Freude und sind anspruchslos. Es reicht, wenn Sie ihm ein Stück Zucker geben. Das Pferd ist ein kluges Tier, es macht sogar deutlich, dass es krank ist, es kommt und macht Sie darauf aufmerksam.“

„Wann ist ein Pferd denn wütend?“, möchten wir wissen: „Wenn es etwas machen soll, was es nicht will.“ „Und was muss ein Pferd täglich machen?“ „Laufen… Ein junges Pferd braucht täglich vier bis fünf Stunden Auslauf.“

Deutschland kennt İflazoğlu seit 1975, er lebt seit 34 Jahren hier. Nachdem er 1998 anfing auf dem Pferdehof zu arbeiten, haben die Pferde einen Großteil seines Lebens eingenommen. „Zwanzig Stunden am Tag bin ich mit meinen Gedanken bei den Pferden, vier Stunden bei den Bienen“. Er lächelt seiner Frau Selma zu und sagt: „Natürlich neben meiner Familie.“ Nachts träumt er natürlich von den Pferden, mit denen er täglich 30 – 40 Kilometer zurücklegt. „Einmal träumte ich, wie ich mit einem Schimmel zu einer Hochzeit reite. Am nächsten Morgen hat mich ein ähnliches weißes Pferd auf dem Hof getreten, sodass ich lange Zeit kaum Luft bekam. Als ich aufstand, sah ich, wie es immer noch neben mir stand und lachte, es wollte mir seine Freude zeigen.“

İflazoğlus Kontakt zum Pferdehof reicht zurück in die Zeit als er im Bergbau in Castrop arbeitete. Damals hatte er an Wochenenden auf diesem Hof gearbeitet. Als feststand, dass er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr im Bergbau würde arbeiten können, wurde er als Vollzeitkraft auf dem Pferdehof eingestellt. Der Pferdehof in Stiepel wird als Pferdehotel genutzt, es werden Reitkurse angeboten und in regelmäßigen Abständen finden dort internationale Wettkämpfe statt.

İflazoğlu hat zwei Söhne und eine Tochter. Für ihn ist Deutschland ein schönes Land, in dem er glücklich ist. Während seines Lebens hier ist er menschlich behandelt worden, er sagt, dass er in seiner Arbeit und seinem privaten Umfeld Wertschätzung erfahren habe und innerlich ruhig sei. „Ich liebe die Natur hier, das städtische Zusammenleben mit der Natur sowie das Umweltbewusstsein der Menschen. Wir leben auf dem Land, das eigentlich den Tieren gehört. Wir haben ihr Territorium für uns in Anspruch genommen, daher sind wir verpflichtet, ihnen Lebensräume zur Verfügung zu stellen.“

İflazoğlu sagt, ihm gefalle die anti-militaristische Haltung der Gesellschaft, die viel aus ihrer Geschichte gelernt hat. Besonders gefällt ihm in Deutschland die Wertschätzung, die Frauen entgegengebracht wird. Er beobachtet aber auch mit großer Besorgnis, wie die emotionalen Beziehungen zwischen den Menschen schwächer werden. Multikulturalität ist für İflazoğlu eine große Chance und er sagt: „Wenn diese Chance positiv genutzt wird, wird es leichter sein, die Zukunft zu gestalten und Probleme schneller zu lösen.“

Hüseyin İflazoğlu, Arbeiter auf einem Pferdehof, Stiepel-Bochum