Nilgün Taşkıran

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Wolfsburg ist wirklich eine Stadt der Autos. Nicht nur Wolfsburg als Ganzes, sondern allein das Gelände der Volkswagen AG kann schon als „Stadt“ bezeichnet werden. Ich sitze zusammen mit Ömer Köşkeroğlu, dem Verantwortlichen für die Migranten-Vertretung im Auto.

Köşkeroğlu gibt Informationen über die Mitarbeiter der Firma: „In den sechs deutschen Werken der Volkswagen AG arbeiten mehr als 90.000 Kolleginnen und Kollegen, davon mehr als die Hälfte in Wolfsburg. In diesen Werken arbeiten knapp 5.500 Kolleginnen und Kollegen mit Migrationshintergrund. Von diesen stammen mehr als 2.200 aus der Türkei. Im Werk Wolfsburg haben rund 230 Kolleginnen und Kollegen einen türkischen Hintergrund.”

Wir erreichen Halle 8. Das Wort hat Nilgün Taşkıran, die hier arbeitet. Sie führt uns durch die äußerst moderne und saubere Halle, währenddessen informiert uns Köşkeroğlu über den Betrieb und berichtet von der hohen Qualität der Automobile. Nilgün Taşkıran arbeitet seit 2003 bei Volkswagen. Sie wurde 1977 in Gifhorn geboren und machte zunächst eine Ausbildung zur Bauzeichnerin. Danach wechselte sie zu Volkswagen. Ihr Großvater hat etwas damit zu tun, dass sie in Gifhorn auf die Welt kam:

„Mein Großvater hat im Jahr 1961 angefangen, in der Konservenfabrik in Gifhorn zu arbeiten. Später hat er seine Familie hierher geholt. Mein Vater hat in der gleichen Stadt in einer Fabrik für Ersatzteile gearbeitet. Ich habe eine ältere Schwester und einen jüngeren Bruder. Später habe ich geheiratet. Mein Mann arbeitet auch bei Volkswagen. Wir haben eine 5-jährige Tochter.“

Nilgün Taşkıran ist zufrieden mit der Arbeitsatmosphäre bei Volkswagen. Das merkt man auch an den Dialogen und daran, wie sie sich verhält: „Ich habe in vielen Bereichen dieser Halle gearbeitet: in der Montage, bei den Servicefahrzeugen, auch an der Stelle, die „Hochzeit’“ genannt wird, wo der Motor in das Fahrzeug eingebaut wird. Ich komme gern zur Arbeit. Teamarbeit wird hier großgeschrieben. Wir sind wie eine Familie und kommen gut miteinander aus. Das Ziel aller ist es, qualitativ hochwertige Fahrzeuge zu produzieren.“

In ihrer Freizeit hört Taşkıran gern, gemeinsam mit ihrem Mann, türkische Musik. Sie erzählt: „So wie ich, liebt auch mein Mann die Natur. Aus diesem Grund leben wir außerhalb von Gifhorn, mit ganz viel Wald in der Nähe.“

Darüber hinaus liebt Taşkıran generell Städte am Meer, so natürlich auch Istanbul: „Ich fahre bestimmt ein Mal im Jahr in diese schöne Stadt. Wir könnten uns sogar vorstellen, im Ruhestand dorthin zu ziehen.“

Nilgün Taşkıran erzählt von einem Ereignis, das sie aufgeregt hat: „Wir hatten eine Lokalzeitung in Gifhorn abonniert. Einmal gab es einen Bericht auf der ersten Seite zum Thema Arbeitslosigkeit. Die Schlagzeile lautete: ‚Die Arbeitslosenrate in Deutschland ist gestiegen’. Darunter war eine Frau mit einem Kopftuch abgebildet, die ein kleines Kind auf dem Arm hatte. Am gleichen Tag rief ich bei der Zeitung an und bestellte sie ab. Ich finde, so einen Journalismus sollte es nicht geben. Sie müssen endlich verstehen, dass sie die Menschen damit verletzen und beleidigen.“

Nilgün Taşkıran, Volkswagen Mitarbeiterin in der Produktion, Volkswagen Werk, Wolfsburg