Özcan Sağın

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Ein Funkspruch teilt mit, dass auf der Bahn-Linie ein Kabel entwendet wurde. „Es ist gut, dass wir diesen Punkt vor zehn Minuten passiert haben, sonst hätten wir bis zum Abschluss der Arbeiten warten müssen.“

Ich mache meine zweite Reise in einer Lokführerkabine. An der Wand steht ‚Höchstgeschwindigkeit 169 km/h’. Özcan Sağın ist Lokführer des Zuges zwischen Bremen und Hannover. Seit 1989 arbeitet Sağın bei der Deutschen Bahn. „Am Anfang war es nicht mein Traumberuf. Als ich bei der Deutschen Bahn angefangen habe, wollte ich dann aber doch Lokführer werden und jetzt bin ich seit 1992 Lokführer. Ich bin Bremer und ich liebe diese Stadt, weil sie etwas Besonderes ist, nämlich gleichzeitig ein Land und ein Bundesland.“

Auf seiner Strecke ist es am schönsten zwischen Norddeich und Emden: „Ruhig… Die Landschaft ist schön… Soweit der Blick reicht, eine flache und weite Ebene.“ Er kennt fast jeden Meter zwischen Bremen und Hannover, weil er dort sehr oft gefahren ist. Auf der Strecke trifft man oft auf Tiere wie Rehe, Füchse, Wildschweine, Falken, aber manchmal sieht man auch Katzen, die sich über ihr Zuhause geärgert haben.

In seinem Zug reisen durchschnittlich 800 Personen. Der Teamleiter Herr Bernd Siegmann ist im Zug anwesend. Wie die Reise Bremen-Hannover verläuft auch die Rückfahrt Hannover-Bremen ohne besondere Vorkommnisse. Bis auf einen kleinen Brand hat es bisher auch nichts Besonderes auf seinen Fahrten gegeben.

Özcan Sağın ist am Bremer Bahnhof ein beliebter Mensch, er versteht sich mit allen, sein offenes Wesen und seine Freundlichkeit erwecken Sympathie. Auf dem Bahnhof kennt er viele mit Namen, besonders die Verkäufer in den Läden und diese wissen genau, wann er was essen und trinken möchte. „Ich bin glücklich bei der Deutschen Bahn. Wenn ich ein bisschen mehr Geld verdienen würde, wäre ich noch glücklicher“, sagt er lächelnd.

An die Jahre seiner Kindheit erinnert er sich mit gemischten Gefühlen. Er hatte Sehnsucht nach seinen Eltern, die in Deutschland lebten, manchmal hat er sogar geweint. Die ganze Familie ist dann aber 1977 zusammengekommen: „Das war für mich eine große Freude, ich erinnere mich noch genau an diesen Tag.“

Der 1971 in Bingöl geborene Özcan Sağın ist jetzt selber Vater. Er liebt die Stadt, in der er heute mit seiner Frau, einer Grundschullehrerin, und seinem 17-jährigen Sohn lebt.

Das Schönste am Leben in Deutschland ist für Sağın, dass er viele Freunde aus verschiedenen Kulturen hat: „Zu meinem glücklichen Leben hier tragen gerade diese Freunde viel bei.“

Manchmal gab es Momente, in denen er sich ärgerte: „Einmal an einem freien Tag“, beginnt er zu erzählen, „ging ich zum Personalbüro, weil ich ein Dokument einreichen musste. Dort fragte mich der Angestellte, ob ich zum ‚Putzen’ da sei. Ich war einen Moment lang fassungslos. Ich sagte ihm, wer ich bin und ging raus. Ich hätte ja auch zum Putzen da sein können. Ich war völlig fertig.“ Sağın denkt aber, dass das alles überwunden werden kann: „Wir müssen nur genügend daran glauben und es wollen.“

Özcan Sağın, Lokführer bei der Deutschen Bahn, Bremen