Ramus Canım

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Die ThyssenKrupp Steel Europe AG hat weltweit 177 000 Mitarbeiter. 12 000 von ihnen arbeiten in Duisburg. ThyssenKrupp Duisburg ist so groß wie eine Kleinstadt. Sagt man Duisburg, kommt einem ThyssenKrupp in den Sinn. Die Energie, die dieses große Werk verbraucht, ist fast so hoch, wie die der Stadt Duisburg. Aber trotzdem bezieht die ThyssenKrupp AG keine Energie von außen. Die benötigte Energiemenge produziert der Betrieb selbst. Verantwortlich dafür, dass die Energieproduktion und der Verbrauch aufeinander abgestimmt sind und alle Werkseinheiten auf Hochleistung arbeiten können, ist der 1963 in Trabzon geborene Ramus Canım.

Ramus Canım erzählt mir, gemeinsam mit dem Verantwortlichen für die Kommunikation, Marcus Tenhonsel, wie bei ThyssenKrupp der Betrieb technisch mit Energie versorgt wird. Von dieser Produktionszentrale aus kann man den ganzen Betrieb von einem Ende bis zum anderen überblicken. Der Betrieb wirkt wie eine kleine Stadt. So weit man schaut, ist geschäftiges Treiben. Man denkt, dass es einer wahrhaft großen Organisation bedarf, um die Verbindung zwischen den voneinander unabhängig scheinenden Gebäuden herzustellen. Gleich neben uns sind die beiden größten Schornsteine des Betriebes zu sehen.

Ramus Canım kommt 1980 zu seiner damals in Duisburg lebenden Familie. Sein Vater war in den 1960er-Jahren als Arbeiter in diese Stadt gekommen. 1979 waren seine Mutter und Geschwister und 1980 zuletzt er gekommen. Nach einem 8-monatigen Sprachkurs beginnt er seine Lehre und beendet diese 1983 als Schmelzschweißer. Danach macht er über Abendkurse Berufsausbildungen zum Maschinenbauer und zum Schweißfachtechniker. Ab 2003 arbeitet er außertariflich bei ThyssenKrupp als Senior Engineer für Prozesssteuerung, Wasser- und Dampferzeugung, Energie und Anlagewirtschaft und ist seit 2002 für die Koordination zwischen dem Energieunternehmen RWE und ThyssenKrupp zuständig.

Die 9-köpfige Familie von Ramus Canım kehrt im Jahr 1995 in ihre Heimat zurück. Ramus Canım möchte lieber in Deutschland bleiben. „Heimat ist, wo man lebt“, sagt er. „Zwei Drittel meines Lebens habe ich in Deutschland verbracht. Auch in der Zukunft möchte ich in Deutschland leben. Wie das mit meinen Kindern ist, weiß ich nicht. Das müssen sie selber entscheiden. Ich möchte, dass sie weltoffen sind und ihre eigenen Entscheidungen treffen.“

Ramus Canım vergleicht das Deutschland der früheren Jahre mit dem heutigen Deutschland und sagt, dass die Ordnung die Gleiche geblieben sei. „Die Ordnung, die Deutschland ausmacht, ist geblieben, wie sie ist, aber in jenen Jahren gab es nicht so eine Diskriminierung, wie heute. Heute kann ich sagen, dass es in bestimmten Lebensbereichen tatsächliche Diskriminierung gibt.“ Ich frage, ob diese Diskriminierungen sich auch auf den Arbeitsplatz beziehen. Mit entschiedener Stimme sagt er: „Auf keinen Fall:“

„Das Betriebsklima ist sehr gut. Im Betrieb herrscht allgemein eine schöne Harmonie. Die Diskriminierung, die ich draußen spüre, gibt es hier nicht. Obwohl ich der erste verantwortliche Schwarzkopf bin, arbeiten wir mit allen Kollegen sehr harmonisch zusammen.“

Ramus Canım, der zu den Gründern eines der ersten türkischen Sportvereine, des Başakspor, gehört, joggt jede Woche drei Mal 15 km, spielt regelmäßig Fußball, verfolgt das kulturelle und politische Leben in Deutschland und der Türkei und liest Bücher und Publikationen in beiden Sprachen. Über seine Frau, die als Hausfrau für ihre 16-, 19- und 20-jährigen Söhne sorgt, sagt er: „Sie hat viel zu tun mit vier Männern. Aus diesem Grund macht sie die schwerste Arbeit.“

Wenn er auf die türkischstämmige Gesellschaft in Deutschland schaut, überkommen ihn zwei unterschiedliche Gefühle: „Ich denke, es ist erfreulich, dass gezeigt werden konnte, dass verschiedene Kulturen in Frieden zusammenleben können. Das gibt Hoffnung für die Zukunft. Aber auf der anderen Seite betrübt es mich natürlich, wenn in der Presse schlecht über diese türkischstämmige Gesellschaft berichtet wird, wenn Beispiele aus Randgruppen genommen und diese auf die ganze Gesellschaft übertragen werden.“

Nachdem wir uns von Ramus Canım verabschiedet haben und ihn in dem großen Gebäude zurücklassen, sagt der für die Konzernkommunikation zuständige Marcus Tenhonsel über Canım: „Wäre er nicht sehr gut in seiner Arbeit, hätte man ihm diese verantwortungsvolle Arbeit bestimmt nicht gegeben. Canım trägt in einer für den Betrieb sehr wichtigen Abteilung große Verantwortung. Als ich in der Personalabteilung danach fragte, sagte man mir, er sei ein ‚vorbildlicher Mitarbeiter’.“

Ramus Canım, Senior Engineer Prozesssteuerung, Wasser-/Dampferzeugung, Energie- und Anlagenwirtschaft, ThyssenKrupp Steel Europe AG, Duisburg