Vural Ünlü

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Auf dem Weg von dem Café, in dem wir uns trafen, zu der Bibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität in der Ludwigstraße, in der er immer an seiner Doktorarbeit gearbeitet hatte, sagt er: „Wissen Sie, immer wenn ich in Istanbul bin, hören die Taxifahrer mein Türkisch und sagen, ‘für einen Ausländer sprechen Sie ganz gut türkisch’. Ich bin dann still und sage nicht, dass ich Türke bin.“

Wir führen unsere Unterhaltung in der Bibliothek weiter. Dr. Vural Ünlü ist ein Medienspezialist, der es liebt hinter den Kulissen zu bleiben. Auch in seiner Dissertation hat er sich mit Medien beschäftigt: ‘Rechtemanagement und Spieltheorie’. Dr. Ünlü hat Filme wie ‘Biene Maja’, ‘Heidi’, ‘Wickie und die starken Männer’ sowie Klassiker von Astrid Lindgren in mehr als 100 Länder vermarktet. Ein Türke, der Kinderklassiker und andere bedeutende Werke für Kinder von Deutschland aus in die ganze Welt verkauft.

„Ich vermarkte Sport- und Kinderprogrammrechte im Weltvertrieb, d.h. an Fernsehanstalten in der ganzen Welt. Im Rahmen des Vermarktungsmandates habe ich in mehr als 100 Ländern zu Fernsehanstalten und Agenten Kontakte aufgebaut, neben der Türkei sind das Länder in Europa, Südamerika, im Nahen Osten, Zentralasien, Nordafrika und Ost-Asien.“

Ünlü war auch bei der FIFA-WM 2006 in Deutschland tätig: „Daneben vermittle ich noch Sportrechte, z.B. habe ich die FIFA-WM Licensing Rechte für die FIFA-WM 2006 in Deutschland in den Jahren 2002 bis 2007 verwertet. Seit dieser Zeit habe ich keine geschäftlichen Verbindungen mehr zur FIFA. TV-Programme sind inzwischen leicht ersetzbare Ware geworden, daher ist es wichtig, dass man eine langfristige Vertrauensbasis zu den TV-Einkäufern aufbaut; eine gute Reputation und Verlässlichkeit sind wichtig in diesem Geschäft.“

Zu den Arbeitsbereichen von Ünlü gehört auch die Traditionsmarke der Welt der Fotografie, Leica: „Leica habe ich letztes Jahr beraten im Marken- und Lizenzbereich und eine neue Strategie für ihre Distribution in der Türkei entwickelt. Dr. Kaufmann kenne ich seit vielen Jahren in beratender Tätigkeit, lange vor seinem Einstieg bei Leica.“

60 Prozent seiner Zeit verbringt Vural Ünlü wegen seiner Arbeit im Ausland. Wegen der weltweiten Vermarktung der Klassiker für Kinder besuchte er bis heute mehr als 100 Länder.

Vural Ünlü und seine Zwillingsschwester wurden 1972 in Ankara geboren. Als er von seinen Eltern nach Deutschland gebracht wurde, war er vier Jahre alt. „Mein Vater schwärmte für Deutschland. Er wollte in Deutschland leben. Uns haben sie natürlich nicht nach unserer Meinung gefragt. Mit unseren Teddys auf dem Arm wurden wir ins Flugzeug gesetzt. Außer meiner Mutter, meinem Vater, meiner Schwester und mir war noch meine Großmutter dabei. Mein Vater war Chirurg und meine Mutter Gynäkologin. Da beide Ärzte waren, legten sie sehr viel Wert auf unsere Schulbildung. Wegen ihrer Berufe lebten wir in unterschiedlichsten Städten in Deutschland. Der einzige Fehler meines Vaters war, dass er mit uns deutsch sprach. Sein Deutsch war nicht gut, aber er wollte, dass wir gut Deutsch lernen. Aus diesem Grund merken die Taxifahrer in Istanbul nicht, dass ich Türke bin. Ich erinnere mich immer wieder an den Satz meiner Mutter ‚Beginn deine Sache wie ein Türke, beende sie wie ein Deutscher’.“

Dr. Vural Ünlü liebt Deutschland. Seine ganze Familie ist wieder in die Türkei nach İzmir gezogen. Als seine Zwillingsschwester sich hier alleine fühlte, ist sie, wie die Eltern, nach Izmir zurückgekehrt, obwohl sie eine gute Arbeit hatte. Sie hat dort geheiratet und ist glücklich. Sie würden ihm sagen ‘komm lass uns alle zusammen hier leben’, aber er liebt Deutschland: „Alles ist berechnet. Es gibt kein Risiko. Die Anzahl der Straftaten sind gering. Hier fühle ich mich in Sicherheit. Ich hatte eine Freundin in Venezuela. Sie war Halb-Deutsche. Sie fand Deutschland und die Deutschen langweilig und ich versuchte ihr Deutschland näher zu bringen. Die Deutschen denken schlecht über ihr Land. Deutschland ist eine offene Gesellschaft, ist ein demokratisches, schönes Land, ein Sozialstaat. Ich finde jeder deutsche Staatsbürger sollte in einem bestimmten Alter ein Jahr im Ausland verbringen. Dann würden sie ihr Land lieben lernen.“

Dr. Ünlü bedauert, dass die Politik und die Presse der Integration keine große Bedeutung beimisst. „Die Vormittagsprogramme im Fernsehen haben das Image der Türken in Deutschland negativ beeinflusst. Es wurde nicht bedacht, was diese Sendungen bewirken können. Sie haben die Integration negativ beeinflusst. Aber inzwischen wird darüber gesprochen. Auch wenn es langsam vorangeht, ist es doch eine positive Entwicklung, dass begonnen wurde darüber zu sprechen.“ Dr. Ünlü beschwert sich auch über die Mauern zwischen der deutschen und türkischen Presse: „Der Kontakt zwischen der Presse beider Länder ist unzureichend. Der Dialog ist gleich null. Es gibt keine interkulturelle Sensibilität. Es sollte ein Medientreffen geben, wo man zusammenkommt. Nur so könnten sich die Ansichten über den jeweils anderen ändern.“

Der Medienmanager Dr. Ünlü liebt neben Deutschland auch die Medien: „Ich liebe multikulturelle Atmosphären. Ich möchte nicht die Bühne. Ich möchte als ein unabhängiger Akteur hinter der Bühne im Bereich der Medien bleiben und weitermachen.“

Dr. Ünlü erzählt, dass ihn seine Familie in der Türkei unter Druck setzt, damit er heiratet und Vater wird. Er findet das richtig und sagt: „Ich glaube, ich muss mich etwas beeilen.“

Dr. Vural Ünlü, Medienmanager, München